Im Einsatzbericht zum jüngsten Großbrand in unserer Nachbarschaft wurde die Brandausbreitung im Dachstuhl über eine bestehende Wand – „Brandwand?“ – beschrieben, die Gebäudeteile unterschiedlicher Nutzung trennte. Auf der einen Seite der Wand befand sich die Schreinerei, in der das Feuer offensichtlich seinen Ursprung hatte, auf der anderen Seite der Wand handelte es sich um eine Motorradwerkstatt. Der Brand hatte sich dabei über die Dachkonstruktion über die Trennwand auf die anfangs nicht betroffene Werkstatt ausgebreitet. Nun stellt sich in diesem Zusammenhang die berechtigte Frage: wie hat denn eine Brandwand ausgeführt zu sein, um eine Brandausbreitung wirksam zu verhindern und wirkungsvolle Löschmaßnahmen zu ermöglichen?

Hierfür müssen wir einen kleinen Exkurs in den baulichen Brandschutz unternehmen. Da das Gebäude in Baden-Württemberg stand, betrachten wir die dortigen Regelungen, die bayerische Entsprechung ist aber meist fast wortgleich. Der Leser möge beachten, daß hier nur die für den aktuellen Fall in Frage kommenden Auszüge der aktuellen Rechtslage zitiert werden und der Verfasser keine rechtliche Bewertung vornimmt, ob es nun eine Brandwand war oder nicht und ob es eine hätte sein müssen oder nicht. Wenn es sich aber um eine Brandwand handelte, hat sie in der vorliegenden Form offenbar nicht funktioniert.

Allgemeine Ausführungsverordnung zur Landesbauordnung, § 7 Brandwände

  • Brandwände sind 0,30 m über die Bedachung zu führen oder in Höhe der Dachhaut mit einer beiderseits 0,50 m auskragenden feuerbeständigen Platte aus nichtbrennbaren Baustoffen abzuschließen; darüber dürfen brennbare Teile des Daches nicht hinweggeführt werden. Bei Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 sind Brandwände mindestens bis unter die Dachhaut zu führen. Verbleibende Hohlräume sind vollständig mit nichtbrennbaren Baustoffen auszufüllen.
  • Bauteile mit brennbaren Baustoffen dürfen über Brandwände nicht hinweggeführt werden. […]
  • Öffnungen in Brandwänden sind unzulässig. […]

Der Knackpunkt ist, daß Bauteile aus brennbaren Baustoffen – hier der Dachaufbau – über die Wand hinweggeführt waren. Nach Lesart des Verfassers ist die Vorschrift bei den Gebäudeklassen 1 bis 3 (Klasse 3 hier zutreffend: Nutzungsfläche > 400 m², Höhe bis 7 m) in der Hinsicht aufgeweicht, daß dort der Dachüberstand der Brandwand anscheinend nicht gefordert ist.

Hingegen empfiehlt das Merkblatt Nr. 2234 des Verbandes der Sachversicherer unter Punkt 4.1 „Gebäude gleicher Höhe“:

  • Die Brandwände zwischen Gebäuden gleicher Höhe müssen bei Dächern, die nicht feuerbeständig […] sind, mindestens 30 cm über die anschließenden Dachflächen […] hinausragen.
  • Nach der Industriebaurichtlinie sind mindestens 50 cm erforderlich. Um Feuerwehrleute vor Flammenüberschlag und Strahlungshitze zu schützen, hat sich eine Überdachführung von 80 cm bewährt.

Unter Punkt 6.5 „Anschluß an Dächer und Dachausbildung“ wird diese Vorgabe folgendermaßen erklärt:

  • Brandwände müssen grundsätzlich über das Dach […] geführt werden, damit Brände die Brandwand nicht überlaufen. Auch bei Dachschalungen der Feuerwiderstandsklasse F 90 und aus nicht brennbaren Baustoffen […] muß die Brandwand über Dach geführt werden, wenn Dampfsperre, Dämmschicht, Klebestoffe oder Dachhaut brennbar sind. […]
VdS 2234 Abb. 2: Wandausführung zwischen Gebäuden gleicher Höhe. VdS 2234 Abb. 30: Wandanschluß bei nicht feuerbeständigem Dach mit brennbarer Dämmschicht oder brennbarer Dachhaut.

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