An Fliegerlärm war man inzwischen gewöhnt, fast jeden Tag gab es im Frühling 1945 in Bächingen und Umgebung Luftalarm. Wer konnte, suchte Schutz im Keller oder unter anderen massiven Bauteilen des Hauses, wer sich außerhalb des Orts aufhielt, fand in Hecken, Gräben und Wäldern Deckung und Tarnung. Bisher war Bächingen immer verschont geblieben, allerdings hatte sich die zugrundeliegende Lage inzwischen geändert.

Immer wieder kamen in jenen Tagen deutsche Truppenteile auf dem Rückzug durch das Dorf, sie zogen aber meist schnell weiter. Eine SS-Einheit begann jedoch, sich im Schloß und der Umgebung zu verschanzen um eine Widerstandslinie gegen die von Nordwesten her vorrückenden feindlichen US-Streitkräfte aufzubauen. Sie konnten auch vom hochbetagten damaligen Schloßherrn und General a.D., Richard von Süßkind, nicht dazu bewegt werden, abzuziehen. In der Folge wurden zwei der drei Bächinger Brenzbrücken gesprengt und die in Sicht gekommenen gegnerischen Verbände unter Beschuß genommen.

In den Wochen davor war es immer wieder zu Fliegerangriffen nicht nur auf motorisierte Fahrzeuge und Züge, sondern sogar gegen pferde- und ochsenbespannte landwirtschaftliche Fuhrwerke und auch Fahrradfahrer gekommen, wie Zeitzeugen berichten. Alles was sich draußen bewegte, sei von den Fliegern beschossen worden. Etliche tote Bächinger waren deshalb zu beklagen, auch der damalige Feuerwehrkommandant kam bei einem solchen Angriff ums Leben, als sein Kiesbagger aus der Luft beschossen wurde.
Der näherkommende Fliegerlärm gegen 15 Uhr an diesem 24. April kündigte für Bächingen jedoch die größte Katastrophe seiner neueren Geschichte an. Die amerikanischen Kampfflieger eröffneten das Feuer aus ihren Bordwaffen und setzten so in einer Vielzahl von Überflügen viele Bauernhöfe in Brand. Als der Luftangriff nach etwa 20 Minuten endete, brannte es überall im Ort. Vieh lief schreiend durch die Straßen, so es aus den brennenden Ställen noch hatte fliehen können.

Die Feuerwehr war durch diese Lage völlig überfordert – auch die heutige wäre es, darauf ist niemand eingerichtet. Viele Feuerwehrmänner standen selbst im Kriegseinsatz oder waren gefallen, die vorhandene Ausrüstung war spartanisch. Motorisierte Pumpen standen nicht zur Verfügung. Zudem hatte sich die Hauptwasserleitung unter einer der Brenzbrücken befunden, die gesprengt worden waren. Eine Wasserversorgung über Hydranten war somit nicht mehr möglich. Die Bächinger versuchten, die überall brennenden Feuer mit Erde und Jauche zu löschen, was mehr schlecht als recht gelang. Die traurige Bilanz dieses Tages lautete wie folgt: Der Angriff forderte vier Todesopfer unter den Einwohnern, davon ein Kleinkind. 32 Gebäude brannten bis auf die Grundmauern nieder. Die SS-Einheiten zogen sich in der Folge weiter zurück und die amerikanische Vorhut rückte ein – trotz gesprengter Brücken.

Die Ereignisse dieses Tages waren am 24.04.2015 Thema einer Veranstaltung im Bächinger Mooseum, als zum Auftakt einer Ausstellung an den Luftangriff vor 70 Jahren erinnert wurde. Archivrat Johannes Moosdiele vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv hatte umfangreiches Quellenstudium betrieben und legte in seinem hörenswerten Vortrag außer den Ereignissen dieses tragischen Tages auch Fakten zum allgemeinen Kriegsverlauf in unserer Umgebung dar und gab Einblicke in die Geschehnisse im Ort vor dem Kriegsausbruch. Er ließ außerdem Zeitzeugen zu Wort kommen, die ihre Erlebnisse aufgeschrieben hatten, wie der damalige Pfarrer Schwarz, der sich auch in seinen Predigten immer wieder gegen die herrschende nationalsozialistische Ideologie aussprach, was ihm einige Probleme einbrachte. Im Anschluß trat als damalige Schloßbewohnerin Frau von Bezold, geborene von Sponeck, ans Mikrofon und schilderte eindrücklich und detailreich ihre Kindheitserlebnisse aus diesen Tagen.
Neben gut 100 interessierten Zuhörern, die teilweise weite Anfahrten auf sich genommen hatten, besuchten auch fünf unserer Feuerwehrleute die Veranstaltung.

2 Kommentare zu „Vier Tote, 32 abgebrannte Gebäude in Bächingen“

  • Monika HIlburger:

    Schade, dass ich von dieser Veranstaltung nichts wußte. Gerne hätte ich mir den Vortrag angehört; oder ist dieser evtl. schriftlich zu erhalten?

  • Michael:

    Der Vortrag von Herrn Moosdiele wird im Jahrbuch 2015 des Historischen Vereins Dillingen abgedruckt werden, dieses erscheint i.d.R. im Folgejahr.

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