Im Gemeindeblatt Nr. 11 / 2022 wird über die Gemeinderatsitzung vom 10.03. berichtet. Unsere Betrachtung behandelt das Thema „Umrüstung bestehender Sirenenanlagen bzw. Neuerrichtung einer Sirenenanlage“. Dieses Thema kam durch die Anregung der Feuerwehrführung zur Beratung, erstmals im Jahr 2010. Weil den Lesern des Gemeindeblattes (und evtl. auch dieses Artikels) die Umstände dieser Sache bisher nicht bekannt sein werden, sollen sie hier erläutert werden.

Hintergrund
Die Gemeinde Bächingen betreibt zum Zwecke des Zivil- und Katastrophenschutzes sowie zur Feuerwehralarmierung drei Sirenen im Ortsgebiet. Standorte sind das Rathaus (Bj. 1962), die Grundschule (Bj. 1974) und eine Mastsirene in der Westendstraße (Bj. 1994). Bei allen drei Stück handelt es sich um die klassische elektromechanische Motorsirene Modell E 57. Es hat sich nun gezeigt, daß besonders in den Neubaugebieten südlich der Gundelfinger Straße bei geschlossenen, heutzutage dreifachverglasten Fenstern, der Sirenenalarm kaum noch hörbar ist. Wir hatten auf diesen Sachverhalt in unserem Schreiben im Jahr 2010 aufmerksam gemacht und eine mögliche Neuerrichtung einer Sirenenanlage in dieser Gegend angefragt:

[…] Bei der zukünftigen Ausweisung von Neubaugebieten muß meiner Ansicht nach wieder stärker an das Thema Warnung der Bevölkerung gedacht und es müssen Sirenen an geeigneten Standorten errichtet werden. Es gibt heute auch elektronische Sirenenanlagen, deren Lautsprecher gezielt ausgerichtet werden können und die durch Akkupufferung auch bei Stromausfall noch funktionieren (bei Motorsirenen bauartbedingt nicht möglich). Im Falle einer Neuerrichtung müßte eine Beratung durch Fachfirmen erfolgen.

Unter dem Eindruck der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal 2021 wurde seitens des Bundes ein Förderprogramm zur Neuerrichtung und Modernisierung von Sirenen aufgelegt, welches im Oktober 2021 in Bayern bekanntgemacht worden war. Daraufhin wiesen wir mit einem neuen Schreiben auf die unverändert bestehende ungünstige Alarmierungssituation hin und regten eine erneute Beschäftigung mit dem Thema an. Gerade mit der Modernisierung böte sich die Gelegenheit, von den teilweise 60 Jahre alten Motorsirenen wegzukommen. Die Vorteile moderner elektronischer Lautsprechersirenen wären:

  • Die Abstrahlung des Schalls könnte gezielt in die gewünschte Richtung erfolgen und nicht bauartbedingt kreisrund wie bei der Sirene E 57.
  • Möglicherweise käme man mit weniger Standorten aus, da wie oben beschrieben die Abstrahlung des Schalls gerichtet werden kann. Zur Klärung der zu erwartenden Beschallung wäre in jedem Fall eine Schallausbreitungsberechnung durch eine Errichterfirma notwendig.
  • Für vom Netz unabhängigen Betrieb, auch bei Stromausfall, gäbe es die Möglichkeit einer Akkupufferung mit einem Solarpanel (Akkubetrieb bei Motorsirenen bauartbedingt nicht wirtschaftlich möglich).

Nach der Beauftragung der Verwaltungsgemeinschaft Gundelfingen führte eine Fachfirma eine Schallausbreitungsberechnung durch und kam im Januar zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Berechnung bestätigt die Beobachtung unserer Feuerwehrleute, daß das Gebiet südöstlich der Gundelfinger Straße mit der vorhandenen Technik nicht erreicht wird.
  • Eine beispielhafte Planung mit zwei elektronischen Lautsprechersirenen an den bestehenden Standorten Westendstraße und Schule hingegen würde das jetzige Ortsgebiet bereits ausreichend beschallen. Der Standort Rathaus wäre nicht mehr notwendig.

Wünschenswert aus Feuerwehrsicht
Wünschenswert wäre aus Feuerwehrsicht die Modernisierung der Sirenen auf Schule und Westendstraße, wodurch die Warnung und Alarmierung im bestehenden Ortsgebiet sichergestellt wäre. Je nach weiterer Ausweisung von Neubaugebieten Richtung Osten müßte aber dennoch eine neue Sirene in diesem Gebiet errichtet werden. Im Hinblick auf die zu erwartende Ausdehnung dieses Neubaugebietes sollte dessen Erreichbarkeit mit einer verfeinerten Schallausbreitungsberechnung überprüft werden.

Lage an der Zuschußfront
Mit Verlaub gesagt handelt es sich bei dem Förderprogramm, sowohl was das Volumen als auch die Fristen angeht, nach Ansicht des Verfassers um ein Alibiprogramm. Es ist nämlich bereits ausgeschöpft. Das ändert dennoch nichts am lokalen Bedarf, denn die Alarmierbarkeit ihrer Bürger im Katastrophenfall sicherzustellen ist eine Aufgabe der Gemeinde.

Beschlüsse des Gemeinderats
Betreffend die Erreichbarkeit der Sirenenalarmierung im Gemeindegebiet wurde beschlossen, eine neu zu errichtende Mastsirene im Gebiet Schelmenheckweg vorzusehen und für diese eine Förderung zu beantragen. Ein Zeithorizont dafür ist nicht bekannt. Die bisherigen Motorsirenen werden nicht auf elektronische Lautsprechersirenen umgerüstet.
Nicht direkt mit dieser Sache verbunden wurde beschlossen, die bestehenden Sirenen mit neuen Steuerempfängern auszurüsten, damit sie zukünftig über BOS-Digitalfunk ausgelöst werden können.

Fazit
Vorerst ändert sich nichts. Die Erreichbarkeit der schon lange ungenügend beschallten Ortsgebiete verbessert sich bis zur Errichtung der neuen Mastsirene nicht, wobei deren Errichtungszeitpunkt nicht bekannt ist. Die Alarmierbarkeit bei einem größerflächigen Stromausfall ist weiterhin nicht gegeben.

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