In unserer Gegend gibt es sie verbreitet, in anderen Landesteilen hingegen sind sie Raritäten oder den jüngeren Lesern gar völlig unbekannt: Sirenen. Gerade sind sie wieder auf breiter Front in die Aufmerksamkeit gerückt, als die Notwendigkeit der funktionierenden Warnung der Bürger in einer gefährdeten Gegend beim diesjährigen katastrophalen Hochwasser im Ahrtal augenfällig wurde. Es wird nun schon länger mit verschiedenen Konzepten versucht, eine effektive Möglichkeit einzuführen, die Bürger zu warnen. Alle diese Ideen haben ihre Vor- und Nachteile. Radiodurchsagen funktionieren nur, wenn man das Radio auch eingeschaltet hat; Warn-Apps auf dem Mobiltelefon muß man erstens haben, zweitens muß das Telefon auch eingeschaltet sein und drittens über Netzversorgung verfügen. Die effektivste Methode, die unmittelbar und von privater Technik unabhängig eine breite Aufmerksamkeit erzeugen kann, ist allerdings oft nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden. Das ist und bleibt einfach die Sirene. Während der „Warntag“ 2020 als Reinfall zu bewerten ist, gab es eine Zeit, in der eine effektive Warnung der Bürger bundesweit gegeben war: am 27.02.1963 löste der Warndienst des Zivilschutzes den ersten Sirenen-Probealarm seit dem Zweiten Weltkrieg aus. Und das mit, aus heutiger Zeit betrachtet, „Low-Tech“!

Schreiben in der „Brandwacht“ zur Übernahme der Sirenen 1992.

Die damalige kleine Bundesrepublik verfügte über ein flächendeckendes Sirenennetz und einen eigenen Warndienst, der dieses zentral und gebietsweise auslösen konnte. Die Zielrichtung damals war natürlich eine andere, der vorrangige Zweck war die Warnung der Zivilbevölkerung im Falle eines Krieges mit Einsatz von ABC-Waffen. In den Bundesländern waren Stand 1985 etwa 64.500 Sirenen installiert; geplant waren bundesweit 82.000 Elektro– und 500 pneumatisch betriebene Hochleistungssirenen. Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze 1989 und dem Abzug der sowjetischen Armee aus dem Gebiet der vormaligen DDR 1993 wurden schließlich mit dem neuen Zivilschutzgesetz von 1997 die Warnämter aufgelöst. Die gut 65.000 Sirenen waren den Gemeinden bereits vorher zur Übernahme zum Zwecke der Feuerwehralarmierung angeboten worden. Lehnten diese ab, wurden die Anlagen abgebaut. Gut die Hälfte der Sirenen verschwand auf diese Weise nach und nach, auch deshalb, weil die Gemeinden deren Notwendigkeit nicht sahen, dafür aber die Instandhaltungskosten.

Im ländlichen Bayern wurde eine größere Anzahl an Sirenen im Dienst gehalten, insbesondere um die Kernkraftwerke herum. Deren Umkreis ist in „Kuchenstücke“, sog. „Sektoren“, eingeteilt, in denen die Sirenen über eine Sammeladresse ausgelöst werden können. So ist eine der Lage angepaßte Warnung bestimmter Gebiete möglich. Als Lehre aus Hochwasserereignissen und Chemieunfällen der Vergangenheit wurden in den letzten Jahren allerdings auch wieder neue Sirenen in gefährdeten Gebieten aufgebaut.

Welche Punkte sind bei einer zeitgemäßen Sirenenwarnung zu bedenken?

  • Geeignete Standortwahl für die sich vergrößernden Gemeinden.
    Oftmals stehen die Sirenen an Standorten, die früher bei wesentlich kleinerer Gemeinde sinnvoll und geeignet waren. Die über die Jahrzehnte entstandenen Neubaugebiete werden heute mancherorts aber nicht mehr ausreichend beschallt.
  • Motorsirenen gegen elektronische Sirenen tauschen.
    Die mittlerweile 50 bis 60 Jahre alten Motorsirenen werden durch Elektromotoren angetrieben mit einer Leistungsaufnahme von ca. 5 Kilowatt. Fällt der Strom aus, funktionieren sie nicht mehr. Neue elektronische Sirenen sind im Grunde Lautsprecheranlagen, die akkugepuffert auch bei Stromausfall noch etliche Stunden funktionieren und alarmieren können. Außerdem können die Schalltrichter der neuen Sirenen gezielt gerichtet werden und sie erreichen auch höhere Lautstärken, was bei der dichten Bauweise der heutigen Häuser notwendig erscheint.

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