Im Frühling dieses Jahres wurde öffentlich, daß in Lauingen ein Schwelbrand brennt. Und zwar schwelt es zwischen der Stadtverwaltung und der Feuerwehrführung. Die erste Brandmeldung kam Mitte März, als die Donauzeitung berichtete „die Feuerwehr fühlt sich alleingelassen„. Mitte April hatte sich der Schwelbrand soweit ausgeweitet, daß der Übergang zum ausgewachsenen Feuer unterm Dach zu befürchten war: „Konflikt verschärft sich„. Mitte Mai traten die Bürger auf den Plan und leisteten ungewöhnliche Löschhilfe, indem ein Spendenkonto für Fahrzeugbeschaffungen eingerichtet wurde. Ende Mai schien es, als ob der Brand etwas eingedämmt werden konnte, weil eine Einigung erzielt wurde. Wir fassen einmal zusammen.

Worum geht es?

Die Führung der Freiwilligen Feuerwehr Lauingen sieht dringenden Investitionsbedarf in neue Fahrzeugtechnik und die Unterbringung der Gerätschaften. Ersetzt werden müßten zwei Fahrzeuge, die beide nun 32 Jahre alt sind: die Drehleiter DLK 23-12 und das Tanklöschfahrzeug TLF 16/25. Richtwert bei Ersatzbeschaffungen ist verbreitet eine Nutzungsdauer von 25 Jahren, nach denen erwiesenermaßen der Unterhalt der Technik teurer und die Ersatzteilbeschaffung schwieriger wird. Bisher seien zum baldigen Ersatz der beiden Oldtimer keine Weichenstellungen erfolgt.
Ein weiterer Punkt ist die schwierige Personalsituation der mit Einsätzen hochbelasteten Wehr. Außerdem bemängelt die Feuerwehrführung die Gleichgültigkeit des Stadtrates gegenüber Feuerwehrbelangen.

Seitens der Stadtverwaltung wird angeführt, daß es für die Beschaffungsvorhaben nicht am Willen, sondern schlicht am Geld fehle. Sie hofft, daß sich aus den aktuellen Planungen der Nachbarstadt (Gundelfingen beschafft 2016 eine Drehleiter) gemeinsamer Nutzen ergibt. Die Notwendigkeit der Fahrzeugbeschaffung (wohl der des Tanklöschfahrzeugs) leuchte der Verwaltung ein. Durch die Rückstellung von 50.000 € im Jahr 2015 solle zumindest ein Zeichen gesetzt und der Grundstein gelegt werden. Man hofft auf ein besseres Haushaltsjahr 2017. Bezüglich der Personalproblematik sieht die Stadt keine größeren Handlungsspielräume, die ehrenamtliche Mitarbeit gehe allgemein zurück und man könne niemanden in die Feuerwehr zwingen.

Daraufhin regten Lauinger Bürger die Einrichtung eines Spendenkontos für die Fahrzeugbeschaffungen an. Die Feuerwehr ihrerseits stellte alle freiwilligen Tätigkeiten ein, weil diese eben zur bekannt hohen Einsatzbelastung noch dazu kommen.

In den folgenden Gesprächen kam Bewegung in die Angelegenheit. Stadt- und Feuerwehrführung einigten sich nun darauf, bis 2018 ein neues Tanklöschfahrzeug anzuschaffen. Für weitere anstehende Ersatzbeschaffungen sollen über mehrere Jahre Rücklagen gebildet werden. Mit verstärkter Werbung an öffentlichen Plätzen und bei Veranstaltungen, auch unter persönlicher Beteiligung der Stadträte, soll dem Personalmangel entgegengetreten werden.

Meinung

Grundsätzlich muß man festhalten, daß die Stadt in dieser Sache nicht mit einem x-beliebigen Verein, sondern mit der eigenen öffentlichen Einrichtung Meinungsverschiedenheiten hat. Laut dem Feuerwehrgesetz hat jede Gemeinde als Pflichtaufgabe „in den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit“ eine für die örtlichen Erfordernisse gerüstete Feuerwehr zu unterhalten, um für die Sicherheit ihrer Bürger zu sorgen. Nun führt die Stadt an, daß eben diese Leistungsfähigkeit ausgereizt ist. Aber so einfach kann man sich nicht aus dieser Verpflichtung befreien. Der Stadtrat hat nun zu prüfen, welche Möglichkeiten bestehen, der Pflichtaufgabe nachzukommen. Die Notwendigkeit der Ersatzbeschaffung von Fahrzeugen ist ja in aller Regel bereits Jahre vorher absehbar. Insofern bemängelt die Feuerwehr zu Recht das Fehlen einer längerfristigen Vorplanung und Mittelrückstellung, zumal die Stadt immer wieder einmal größere, auch spontane Einzelausgaben tätigt, die nicht wirklich als Pflichtaufgabe zur öffentlichen Daseinsfürsorge anzusehen sind.

Der Stadtrat deutet mehrfach an, daß durch eine engere Zusammenarbeit mit dem benachbarten Gundelfingen die Lage verbessert werden könnte. Unter dem Eindruck der dort kommenden Drehleiterbeschaffung rückt offenbar der Ersatz der eigenen Leiter in den Hintergrund, so daß zunächst das TLF ersetzt werden soll. Klar ist, wer eine von derzeit drei Drehleitern im Landkreis hat, der wird zu vielen Einsätzen alarmiert. Wenn den westlichen Landkreis in Zukunft Gundelfingen abdeckt, ist mit einer Entlastung zu rechnen.
Eine weitere Entlastung wäre u.U. möglich, wenn bestimmte freiwillige Tätigkeiten von anderen Organisationen übernommen werden könnten, die ebenfalls dafür ausgebildet sind. Als Beispiel wäre hier die Absicherung von Umzügen und ähnlichen Veranstaltungen gegen den Straßenverkehr denkbar, was auch die Mitarbeiter des Bauhofes rechtlich dürfen.

Die Frage der ausreichenden Nachwuchsgewinnung beschäftigt im Grunde alle Freiwilligen Feuerwehren, weil die Lage immer schwieriger wird. Die geplanten Maßnahmen hören sich nicht schlecht an, das Problem muß den Bürgern, welche die Dienste der Feuerwehr oft als gottgegeben und teilweise auch geringschätzig in Anspruch nehmen, nahegebracht werden. Personalmäßig haben die Bürger selbst es nämlich in der Hand, wie stark ihre Feuerwehr aufgestellt ist. Nach dem Feuerwehrgesetz besteht zwar sehr wohl die Möglichkeit, geeignet erscheinende Bürger für den Feuerwehrdienst zwangszuverpflichten, aber mit einem allzu positiven Ergebnis wird eine solche Maßnahme wohl nicht gekrönt sein. Es könnte sicherlich auch der ein oder andere Stadtrat mit gutem Beispiel vorangehen und sich bei der Feuerwehr zum aktiven Dienst verpflichten. Auch wäre denkbar, die städtischen Angestellten zum Eintritt in die Feuerwehr zu bewegen, da diese ja tagsüber ihre Arbeitsstelle in der Stadt haben. Es gilt, Anreize für den Feuerwehrdienst zu schaffen. Hierfür sind gute Ideen gefragt, ein Patentrezept gibt es leider nicht.

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