TBS ÜberlastungWie die Stuttgarter Zeitung in ihrem Artikel „Knoten in der Leitung“ vom 16. Mai 2016 berichtet, rumort es unter den Hilfsorganisationen in Baden-Württemberg, insbesondere im Grenzgebiet zu Bayern. Der Kommandant der FFW Giengen a.d. Brenz führt die Problematik der Ländergrenzen überschreitenden Funkverbindung an, denn „die Bayern haben schon Digitalfunk„. Seitdem verstünden sich die Feuerwehren dies- und jenseits der Landesgrenze nicht mehr. Ja, solche Probleme gab es auch schon, beispielsweise an diesem gemeinsamen Großeinsatz, wo einige Feuerwehren (entgegen der damals gültigen Vorgabe) bereits digital an der Einsatzstelle funkten. Um solcherlei zu vermeiden, sollen im Landkreis Dillingen die grenznahen Feuerwehren pro Fahrzeug mindestens zwei analoge Handfunkgeräte mitführen. Überörtlich eingeplante und Führungsfahrzeuge werden ihre analoge Funkausrüstung weiterhin behalten, um auch als Schnittstelle in beiden Welten fungieren zu können. Feuerwehren weiter im Landkreisinneren, die nur „Bayern“ um sich herum haben, bauten teilweise ihre analoge Funktechnik schon aus den Fahrzeugen aus, wir an der Grenze behalten sie dagegen komplett.

Situation im Ländle
Antennenanlage einer BasisstationIn Baden-Württemberg steht das digitale Funknetz bereits seit Jahren flächendeckend zur Verfügung, früher als in Bayern. Seither erfreuen sich die Landespolizei und einige Bundeseinrichtungen quasi als Alleinnutzer seiner ungeteilten Kapazitäten und die restlichen Hilfsorganisationen schauen mit dem Ofenrohr ins Gebirge, bzw. in den Schwarzwald. Aktuelle Polizeifahrzeuge haben dabei keinerlei analoge Funktechnik mehr an Bord, d.h. eine direkte Verständigung mit den analog funkenden BOS ist nicht mehr möglich. Der Digitalfunk ist teuer, das ist keine Frage. Aber auch je mehr Infrastruktur umgestellt werden muß, desto teurer wird es insgesamt. Die Struktur der Leitstellen in Baden-Württemberg bietet im Moment ein Bild ähnlich der Situation, wie es sie in Bayern vor der Einführung der Integrierten Leitstellen ab 2008 gab: fast jeder Landkreis unterhält eine eigene Leitstelle, siehe hier. Da die Leistellenbetreiber „unterschiedliche Softwarelandschaften“ betreiben und auch unterschiedliche Einsatzstichworte verwenden, gibt es zwangsläufig Schnittstellenprobleme, manchmal schon zwischen benachbarten Leitstellen, wie uns württembergische Feuerwehrkommandanten berichteten.

Bayern legte zusammen
Bayern, als ähnlicher Flächenstaat, führte in den letzten Jahren mehrere Landkreise unter einer gemeinsamen Leitstelle zusammen, siehe hier, zudem wurde die Alarmierung und Abwicklung von Feuerwehreinsätzen von den Polizeidienststellen gelöst und in die Leitstelle integriert (daher Integrierte Leitstelle = Rettungsdienst + Feuerwehr). Dadurch wurde die Anzahl der Führungsstellen deutlich geringer. Anfängliche Bedenken zu neuen Problemen wegen Ortsunkenntnis der Disponenten haben sich auf längere Sicht nicht bestätigt. Die landesweite Ausschreibung eines einheitlichen, vernetzten Leitstellensystems mit einheitlichen Einsatzstichworten und Alarmierungsmodalitäten (siehe Alarmierungsbekanntmachung) sorgte für klare Verhältnisse.

Leistungsvermögen des digitalen Funknetzes
Seitens des DRK wird laut Artikel die gezielte Textübertragung an einzelne Fahrzeuge gefordert, was im analogen System über FMS-Text realisiert ist. Das dürfte eigentlich kein größeres Problem sein, denn die baden-württembergische Polizei überträgt bereits Einsatzdaten und -aufträge als Kurznachricht. Bei uns kann die Leitstelle einem beliebigen Fahrzeug eine sog. „Flash-SDS“ schicken, die direkt auf dem Funkgerät angezeigt wird. Das sollte auch auf einem externen Monitor möglich sein. Laut Funklieferant gibt es auch ein System, das Koordinaten direkt ins Navigationsgerät einspeist. Eine automatisierte Eintreffquittung über die aktuelle GPS-Position sollte da ebenfalls lediglich eine programmiertechnische Fingerübung sein.

Gesamtbetrachtung
Eine Situation wie derzeit in Baden-Württemberg sollte nach den bisher gültigen Grundlagen der Zusammenarbeit der BOS nicht entstehen. Eine wesentliche Grundforderung war immer die einheitliche Gerätetechnik, damit man auch organisationsübergreifend miteinander funken kann. Das ist mit dem Systembruch der erfolgten kompletten digitalen Umstellung der Polizei nun nicht mehr möglich. Bayern hat in dieser Hinsicht den Hilfsorganisationen mit 85 % Förderung auf die Funkgerätetechnik einen starken Anreiz für den Umstieg gesetzt, so daß sowohl bei der Polizei als auch bei den Hilfsorganisationen der Digitalfunk Einzug gehalten hat und ein solcher Systembruch vermieden wird. Auch der Reformbedarf der baden-württembergischen Leitstellenlandschaft muß berücksichtigt werden. Vielleicht könnte Baden-Württemberg ja mal ein paar Jahre weniger Geld nach Pleite-Berlin überweisen und dies dem Digitalfunk seiner Hilfsorganisationen zukommen lassen…

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