Heruntergerissene FreileitungBeim Unwetter am vergangenen Wochenende kam es auch zu Stromausfällen, weil Bäume auf die Leitungen fielen und diese abrissen. Die größten Auswirkungen hatte der Ausfall der 20 kV-Leitung zwischen Sontheim und Gundelfingen, von der auch einige Trafostationen in Bächingen versorgt werden. In einem größeren Gebiet fiel dadurch gegen etwa 21:45 Uhr der Strom aus. Bis die Stromversorgung nach teilweise aufwendigen Reparaturarbeiten am Sonntag nachmittags bzw. abends wieder sichergestellt war, konnte man ganz interessante Beobachtungen machen.

In der ersten Zeit wirkte sich der Stromausfall für die Bevölkerung noch nicht spürbar aus. Es war schließlich Nacht und die Heizung wurde dank der Außentemperaturen nicht benötigt. Allerdings fiel mit dem Strom auch die primäre Alarmierungsmöglichkeit unserer Feuerwehr aus: die Sirenen. Viele Feuerwehrleute hatten den Ernst der Lage erkannt und waren selbständig zum Gerätehaus gekommen. Durch das Auslösen der Handyalarmierung konnten in der ersten Zeit noch fast alle erreicht werden, so daß eine schlagkräftige Truppe zur Verfügung stand.

Gegen 22:15 Uhr, etwa eine halbe Stunde nach dem Ausfall, war eine zunehmende Belastung aller Mobiltelefonnetze festzustellen. Verbindungen waren kaum mehr möglich, selbst normalerweise priorisierte Notrufe 112 wurden vom System mit der Meldung „Notrufversuch…“ beantwortet. Der Eingeweihte weiß, daß für einen Notruf wenn notwendig ein normales Gespräch einfach getrennt wird um für den Notfall Kapazität zu schaffen. Wird also ein Notruf vom System abgewiesen, heißt das, daß bereits alle Verbindungen mit Notrufen belegt sind. Die Netze waren auf Anschlag ausgelastet, weil die Bürger festgestellt hatten, daß ihre vom Strom abhängigen Festnetztelefone nicht mehr funktionierten und sie in der Folge auf Mobilnetze auswichen. Daß in solchen Situationen viele objektiv unnötige Telefonate – auch Notrufe – geführt werden ist kein Geheimnis. Als Angehöriger von Hilfsorganisationen sollte man als Fazit dieser Beobachtung im Hinterkopf behalten, daß öffentliche Mobiltelefonnetze bei flächendeckenden Schadenslagen nicht geeignet sind, dienstliche Nachrichten zuverlässig zu übermitteln. Aus diesem Grund brauchen die BOS-Dienste unabhängige Funknetze.

Am Sonntagmorgen stellten viele Bewohner fest, daß der Strom immer noch fehlte. Über Straßen, in denen eine Seite noch Strom hatte und die andere nicht, führten bald bündelweise Verlängerungskabel zur Versorgung von Gefriertruhen und Kühlschränken. In vielen Gärten knatterten für den selben Zweck kleine Stromerzeuger vor sich hin. Da nicht abzusehen war, wann es wieder Strom geben würde, gingen bei Baumaschinenvermietungen unzählige Anfragen nach Stromerzeugern ein. Diese zog man von sämtlichen Baustellen der Umgebung ab. Für das Mittagessen wurden Gaskocher ausgepackt. Am Nachmittag waren die Monteure des Energieversorgers dann fertig mit den Reparaturen, und schrittweise gingen wieder die Lichter an.

Diese kleine Episode spielte sich glücklicherweise an einem Sommertag am Wochenende ab, war örtlich begrenzt und nach etwa 15 Stunden beendet. Im Winter sieht die Lage aber gleich ganz anders aus. Die Sorge gilt dann weniger den Kühltruhen. Heizungen stehen still, Wasserleitungen frieren ein. Ein längerer, großflächiger Stromausfall kann zur Katastrophe werden, wir haben hier schon einmal Überlegungen dazu angestellt. Elektrische Energie ist der Herzschlag jeder Industriegesellschaft. Fällt sie längere Zeit aus, sind schwere Folgen zu erwarten. Eine kleine Vorstellung davon erhielten die Bächinger an diesem Wochenende.

Es ist durchaus keine Schwarzseherei, gewisse Vorräte an haltbaren Lebensmitteln, Wasser, Brenn- und Kraftstoff und stromunabhängige Beleuchtung vorzuhalten. Auch der Autor dieses Artikels wurde deshalb schon belächelt. Dank seines belächelten Gasbrenners hatte er aber am Sonntag einen heißen Kaffee und mittags eine heiße Suppe. Sorgen Sie selbst vor, das nimmt Ihnen keiner ab. Vorsorge lohnt im Notfall.

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