Brennende TrafostationWie die Erfahrung immer wieder zeigt, braucht es für die Beherrschung von Großschadenslagen eine vom Tagesgeschäft abweichende Strategie. Der normale Feuerwehreinsatz wird durch die Leitstelle aufgenommen, alarmiert und sie nimmt auch die Rückmeldungen der eingesetzten Einheiten entgegen. Dieses System funktioniert dann nicht mehr, wenn eine Vielzahl von Einsätzen auf Bearbeitung wartet, wie es beispielsweise bei einem Unwetter wie dem Sturm Ende Juni letzten Jahres der Fall war. Die Leitstelle geht unter in einer Flut von Notrufen, von denen längst nicht alle einen Notfall zu vermelden haben, der keinen Aufschub duldet.

Zur Bewältigung solcher Großschadenslagen gibt es das Konzept der Kreiseinsatzzentralen (KEZ) und der Koordinierenden Stellen (KOS). In jedem Landkreis gibt es eine KEZ, bei uns in Dillingen. Die bekommt alle nicht zeitkritischen Einsätze per Fax von der Leitstelle zugesandt und verteilt sie weiter an die jeweiligen KOS, die in den Verwaltungsgemeinschaften des Landkreises betrieben werden, unsere in Gundelfingen. Hier wiederum werden die Einsätze an die Feuerwehren ausgegeben, die sie dann in eigener Verantwortung abarbeiten und dokumentieren. Zeitkritische Notfalleinsätze werden weiterhin direkt von der Leitstelle alarmiert und dokumentiert. Ziel dieser Vorgehensweise ist es außerdem, den landkreisweiten BOS-Funk-Betriebskanal der Feuerwehren für dringende Einsätze freizuhalten.

Nun sitzt am Ende die örtliche Feuerwehr vor einem Stapel Aufträge, die auf Erledigung warten. Was jetzt, in welcher Reihenfolge sollen sie mit begrenztem Personal und Material abgearbeitet werden? Wer kommt zuerst dran, der vollgelaufene Keller, der Baum auf der Straße oder vielleicht der vom Absturz bedrohte Kamin? Diesen Teil der Einsatzführung probten wir in einer größeren Einsatzübung mit mehreren kleinen Einsatzstellen, die nach und nach auf verschiedenen Wegen mitgeteilt wurden. Das dahinterstehende Konzept gibt es bei der Landesfeuerwehrschule Bruchsal. Es lautet folgendermaßen: Richte eine Einsatzleitung im Feuerwehrhaus ein, die ankommende Einsätze entgegennimmt, mit Hilfe eines Erkunders bewertet und je nach Dringlichkeit den zur Verfügung stehenden Einheiten zuweist. Wir haben diese Methode bereits als Planspiel der Gruppenführer im Frühjahr durchgespielt.

  • Die Einsatzleitung richtet sich im Feuerwehrhaus ein und verwendet einfache Papiervordrucke (Einsatzerfassung, Meldungsvordruck) für die Dokumentation. Darauf werden wichtige Daten und Maßnahmen festgehalten, die während der Arbeiten an dieser Einsatzstelle anfallen.
  • Der Erkunder bekommt Aufträge zugewiesen und kümmert sich vorab um die Einschätzung der Dringlichkeit. Außerdem soll er die Betroffenen zur Selbsthilfe anleiten.
  • Die Gruppenführer der Fahrzeuge bekommen von ihrer Einsatzleitung die Aufträge nach der Dringlichkeit zugeteilt. Sie kümmern sich um die Erledigung und Dokumentation direkt an der Einsatzstelle. Sämtliche Rückmeldungen – sofern nötig – gehen ohne Nutzung des landkreisweiten Funk-Betriebskanals an die eigene Einsatzleitung, was die Leitstelle entlastet.

Im Rahmen unserer Übung waren insgesamt elf Einsätze zu erledigen; einige Bäume galt es zu beseitigen, zwei Keller liefen voll. Dazwischen kamen immer wieder einmal dringlichere Einsätze, wie z.B. ein Pkw, der mit einem großen herabgefallenen Ast zusammenstieß, oder der Rettungswagen, der wegen eines Baumes über der Straße nicht mehr weiterkam. Später ging die noch unkritische Meldung über einen Stromausfall ein. Als Grund stellte sich heraus, daß ein Baum in die Trafostation gefallen war, die anschließend noch in Brand geriet, was den Einsatz dann dringlich machte. Bei jeder Einsatzstelle gab es eine passende kleine Aufgabe zu erledigen; bei den vollgelaufenen Kellern war die Tauchpumpe einzusetzen, einige Bäume lagen tatsächlich zum Sägen bereit, den Unfall galt es abzusichern, die Trafostation mußte gelöscht werden…

Am Ende des abwechslungsreichen Übungsabends wurden die Vorgänge noch einmal besprochen. Es hatte alles ganz gut geklappt und die Übung kam bei den Teilnehmern auch gut an. Wir bedanken uns an dieser Stelle noch ganz herzlich bei Ernst, der uns extra die Bäume zur Verfügung gestellt hat.

Einige Bilder der Übung finden Sie hier: Ausbildung.

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