Haben Sie sich auch schon mal gefragt, was eigentlich passiert, wenn ein Notruf abgesetzt wird? Wie wird denn die Feuerwehr überhaupt alarmiert? Wir legen Ihnen hier die Vorgänge dar, wie sie bei einer Alarmierung ablaufen. Nehmen wir als Beispiel einen Zimmerbrand in einem Einfamilienhaus am Nachmittag an. Personen sind nicht in Gefahr, sie konnten das Gebäude selbstständig verlassen.

Ablauf einer Alarmierung in der Leitstelle

  1. Ihr Notruf geht bei der Integrierten Leitstelle Augsburg über Telefon ein. Der Disponent fragt Einzelheiten ab und bewertet anhand dieser Angaben die Art und den Umfang des Notfalls. Parallel zur Abfrage gibt er die Daten in sein Alarmierungssystem ein und ordnet dem Einsatz ein prägnantes Schlagwort zu, in unserem Falle „Brand Wohngebäude“. Diese Schlagworte sind in der Alarmierungsbekanntmachung festgelegt.
  2. Nun kommt die sogenannte „Einsatzmittelkette“ zum Zug. In ihr ist festgelegt, was zur Bewältigung des über das Schlagwort beschriebenen Einsatzes an Personal und Material nötig ist. Dort finden wir (Auszug):
    Schlagwörter Stichwort Einsatzmittelkette
    Brand Container, Motorrad, Papiercontainer,
    PKW, Strohballen, Wiese
    B 2 1 Preßluftatmer: Umluftunabhängige Atemschutzgeräte“>PA
    1000 l Löschwasser
    KBM
    B 2 mit Menschenrettung:Brand Container,
    Brand Person
    B 2 Person 1 Gruppe
    4 PA
    1000 l Löschwasser
    KBM, KBI
    Brand in Wohngebäuden einfacher und
    mittlerer Höhe, Garage, Gartenhütte,
    unklare Rauchentwicklung,
    LKW-Brand, Brand BAB, PKW
    B 3 2 Gruppen
    8 PA
    1600 l Löschwasser
    KBM, KBI
    B3 mit Personen in Gefahr, Brand im Hochhaus B 3 Person 2 Gruppen
    8 PA
    1600 l Löschwasser
    1 B 4
    4 Gruppen
    12 PA
    3600 l Löschwasser
    1 DL
    KBM, KBI, KBR
    UG-ÖEL

    Unser Beispiel fällt in das Stichwort B 3 und erfordert somit zwei Löschgruppen, acht Preßluftatmer, 1600 l Löschwasser. Außerdem sollen Kreisbrandmeister und -inspektor alarmiert werden als Führungsdienstgrade des Landkreises.

  3. Nachdem das Alarmsystem nun weiß was es suchen soll, kommt die nächste Liste zum Tragen. Sie wird „Bereichsfolge“ genannt und regelt die Reihenfolge, nach der die geforderte Personalstärke und die benötigten Einsatzmittel gesucht werden. Die Informationen, welche Feuerwehr über welche Geräte verfügt und ob diese gerade einsetzbar sind, ist in den Leitstellen hinterlegt. Die Reihenfolge der Bereichsfolge beruht auf den Anfahrzeiten der einzelnen Einheiten zum Schadensort und ist für jede Gemeinde eigens festgelegt. Unsere sieht etwa so aus (Auszug):
    Lfd. Nr. Dienststelle
    1 FFW Bächingen a.d. Brenz
    2 FFW Obermedlingen
    3 FFW Untermedlingen
    4 FFW Gundelfingen a.d. Donau
    5 FFW Sontheim a.d. Brenz
    12 FFW Günzburg
    17 FFW Lauingen a.d. Donau
    22 FFW Dillingen a.d. Donau
    23 FFW Giengen a.d. Brenz
    25 BF Augsburg, Feuerwache 1

    Das Alarmierungssystem arbeitet sich nun durch diese Liste. Zunächst braucht es zwei Löschgruppen. Tagsüber findet es eine in Bächingen, fehlt noch eine. Die findet es in Obermedlingen. Nun sucht es acht PA. Vier davon kommen bereits aus Bächingen und weitere vier bringt Obermedlingen mit – erledigt. Weiter geht es mit dem Löschwasser, das in Fahrzeugtanks mitgeführt wird. 600 l kommen mit dem Fahrzeug aus Bächingen, 800 l mit dem von Obermedlingen – gesamt 1400 l und damit zuwenig. Für die fehlende Wassermenge wird das nächste wasserführende Fahrzeug gesucht und in Gundelfingen gefunden. Nun weiß das Alarmierungssystem, welche Feuerwehren zu alarmieren sind.

    • Hätte nun die FFW Obermedlingen ihre vier PA gerade abgemeldet, suchte das System weiter. In Untermedlingen fände es keine, also ginge es weiter nach Gundelfingen. Dort würden die notwendigen Geräte gefunden; höchstwahrscheinlich auf dem Fahrzeug, das wegen des zusätzlich benötigten Wassers sowieso hinzualarmiert wird. Wäre dies nicht der Fall, würde ein weiteres Fahrzeug mit den benötigten Preßluftatmern der Alarmierung hinzugefügt.
    • Fände der gleiche Einsatz nachts statt, fände das Alarmierungssystem bereits in Bächingen zwei Löschgruppen, müßte aber dennoch wegen zusätzlichem Bedarf an vier PA und 1000 l Löschwasser die FFW Obermedlingen (+4 PA, +800 l Wasser) und ein wasserführendes Fahrzeug aus Gundelfingen (+200 l Wasser) alarmieren.
    • Bei einem THL-Einsatz funktioniert die Alarmierung in gleicher Weise, nur wird eben auf andere Ausrüstungsteile Wert gelegt.
  4. Der Alarmierungsvorschlag wird jetzt dem Disponenten angezeigt: FFW Bächingen, FFW Obermedlingen, ein Löschfahrzeug der FFW Gundelfingen, KBM, KBI. Zusätzlich ist wie bei jedem Feuerwehreinsatz die Polizei zu verständigen und zur Absicherung des Atemschutzeinsatzes kommt ein Rettungswagen. Anforderungen von nicht bayerischen Leitstellen müssen telefonisch geklärt werden.
  5. Der Disponent kann nun noch Änderungen einbringen, meist wird er den Vorschlag aber übernehmen. Er drückt den Knopf „ALARMIEREN“, und über die Funkstelle des Landkreises wird der Alarm ausgesendet. In Bächingen und Obermedlingen laufen die Sirenen an und in Gundelfingen  lösen die Meldeempfänger aus.

Alarmierung über verschiedene Wege
Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Feuerwehr zu alarmieren:

  • Sirenenalarm: Die klassische Alarmierungsart, auch „laute Alarmierung“ genannt.
  • Melderalarm: Der sogenannte „stille Alarm“ auf die persönlich zugewiesenen Funkmeldeempfänger aller Feuerwehrleute. Eine solche Alarmierung gibt es in Bächingen nicht.
  • Handyalarmierung: Als Unterstützung der Sirenenalarmierung ist seit Oktober 2008 ein Alarmierungssystem in Betrieb, das bei Alarm mit ausgelöst wird. Alle Feuerwehrleute der Einsatzmannschaft werden zeitgleich auf ihrem Telefon angerufen (bevorzugt natürlich auf dem Mobiltelefon), und erfahren so vom Alarm. Der große Vorteil ist, daß der Alarm so auch bei Feuerwehrleuten ankommt, die den Sirenenalarm gerade nicht hören können, aber dennoch in der Nähe sind.

Sirenen und Sirenensignale
sirenewestendIn Bächingen gibt es drei Sirenen, damit möglichst der ganze Ort „beschallt“ werden kann. Jede Sirene hat einen Funkempfänger, der auf eine Folge aus fünf Tönen reagiert. Stimmt die über Funk empfangene Tonfolge mit der eigenen überein, gibt die Sirene den Alarm aus.

Sirenen können eine Vielzahl von Alarmsignalen ausgeben, die nicht nur für die Feuerwehr wichtig sind. Auch für die Warnung der Bevölkerung bei Großschadensfällen wie z.B. Hochwasser oder dem Austritt von Gefahrstoffen werden sie eingesetzt. Jeder sollte die Signale kennen und wissen, was im Fall der Fälle zu tun ist.
Die aktuell gültigen Signale finden Sie hier zum Ausdrucken und Aufhängen.
Die Signale machten über die Zeit eine Wandlung durch. Zum Vergleich sehen Sie hier die Bedeutung der Sirenensignale bis zum Zerfall des Ostblocks.

Sirenenproben finden immer am ersten Samstag eines Monats um 12:00 Uhr statt. Es werden abwechselnd die Signale „Feueralarm“ und „Warnung der Bevölkerung“ ausgelöst.