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Der alte Handfeuermelder am RathausIm Zuge des aktuellen Rathausumbaus wurde der letzte verbliebene Handfeuermelder abgebaut. Es gibt nun in Bächingen keine Möglichkeit mehr, Sirenen per öffentlichem Druckknopfmelder auszulösen. Um diesen Schritt verstehen zu können, blicken wir in die Technikgeschichte der Alarmierung zurück.

Zum Zeitpunkt des Einbaus der Sirene Anfang der sechziger Jahre wurde diese nur über die Handauslösung in Funktion gesetzt. Man entdeckte ein Feuer im Ortsgebiet, drückte den Knopf und die elektromechanische Sirenensteuerung schaltete den Elektromotor der Sirene in vorbestimmten Intervallen ein und aus. Die Feuerwehrleute in Hörweite nahmen den Alarm wahr und eilten ins Feuerwehrhaus, wo der Mitteiler seine Feuermeldung mündlich an sie weitergab.

Ab der Mitte der siebziger Jahre verbreitete sich in den Landkreisen die Funkalarmierung, d.h. Funkempfänger an den Sirenensteuerungen empfangen einen ausgesendeten Alarm und lösen die Sirenenalarmierung aus. Diese Funkalarmierung erfolgte im ländlichen Bayern über Jahrzehnte durch die örtlichen Polizeidirektionen, bei denen ein telefonischer Notruf einging. Die Feuerwehren erfuhren dann über Funk den Grund des Alarms. Diesen Beitrag weiterlesen »

Dampfdreschen in Bächingen um 1910Weil dem Kommandanten auch die geschichtlich-technische Allgemeinbildung der Jugendfeuerwehr am Herzen liegt, hatte er für Herbst und Winter 2017 / 2018 eine kleine Unterrichtsreihe zu mechanischen Antrieben vorbereitet. Dabei wird der Bogen geschlagen vom Beginn der Mechanisierung mit Wind- und Wassermühlen über die Dampfmaschine bis zu den heutigen Verbrennungsmotoren. Der erste Unterricht dazu befaßte sich hauptsächlich mit der Dampfmaschine, deren Bedeutung für die Entwicklung der heutigen Industriegesellschaft praktisch nicht überschätzt werden kann. Sie ermöglichte überhaupt erst das Entstehen von Fabriken, weil sie von Wind und Wasser unabhängige mechanische Antriebskraft zur Verfügung stellen konnte, später auch Elektrizität. Auf Räder und Schienen gesetzt, entstand die Eisenbahn, die wiederum wie keine andere Erfindung eine bis dahin unbekannte Mobilität für die Bürger sowie schnellen, grenzüberschreitenden Warentransport ermöglichte und auf diese Weise zum Aufstieg der Industriegesellschaft im 19. Jahrhundert beitrug.

Da zu vermuten war, daß die heutigen Jugendlichen und auch die jungen Erwachsenen kaum noch eine Dampfmaschine aus eigener Anschauung kennen, brachte der Kommandant eine Modelldampfmaschine zum Unterricht mit. Diese wurde dann angefeuert und trieb wie beim Original verschiedene Arbeitsmaschinen an. Die Funktion und die Zusammenhänge zwischen Feuer, Wasser, Dampf und Bewegung konnten so am Modell entdeckt werden. Als Vertiefung des Themas durfte dann jeder noch eine eigene Dampfmaschine bauen, genauer gesagt, einen Holzbausatz „Luftmotor“, der wie eine Dampfmaschine funktioniert. Befestigt man einen aufgeblasenen Luftballon am Einlaßstutzen oder bläst selbst hinein, setzt sich die Maschine in Bewegung. Der Bau der Maschinen ist Ende Dezember noch im Gange.

Im neuen Jahr wird sich die Jugendfeuerwehr dann mit den bei der Feuerwehr unverzichtbaren Verbrennungsmotoren beschäftigen, welche zusammen mit der Erfindung des Automobils zum Wohlstand unserer Gesellschaft maßgeblich beigetragen haben.

Einige Bilder dazu finden Sie hier: Antriebe – Dampfmaschine.

An Fliegerlärm war man inzwischen gewöhnt, fast jeden Tag gab es im Frühling 1945 in Bächingen und Umgebung Luftalarm. Wer konnte, suchte Schutz im Keller oder unter anderen massiven Bauteilen des Hauses, wer sich außerhalb des Orts aufhielt, fand in Hecken, Gräben und Wäldern Deckung und Tarnung. Bisher war Bächingen immer verschont geblieben, allerdings hatte sich die zugrundeliegende Lage inzwischen geändert.

Immer wieder kamen in jenen Tagen deutsche Truppenteile auf dem Rückzug durch das Dorf, sie zogen aber meist schnell weiter. Eine SS-Einheit begann jedoch, sich im Schloß und der Umgebung zu verschanzen um eine Widerstandslinie gegen die von Nordwesten her vorrückenden feindlichen US-Streitkräfte aufzubauen. Sie konnten auch vom hochbetagten damaligen Schloßherrn und General a.D., Richard von Süßkind, nicht dazu bewegt werden, abzuziehen. In der Folge wurden zwei der drei Bächinger Brenzbrücken gesprengt und die in Sicht gekommenen gegnerischen Verbände unter Beschuß genommen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Dereinst, in der „guten alten Zeit“, taten sich vielerorts die Mitglieder von Turnvereinen zusammen und gründeten die Vorläufer der ersten Freiwilligen Feuerwehren. Denn die Feuersgefahr betraf jeden einzelnen, in den dicht bebauten Ortskernen konnte sich ein Brand schnell über mehrere Häuser ausbreiten und Hab und Gut der dort wohnenden Großfamilien vernichten. Die großteils wenig organisierte Löschhilfe bestand lange Zeit daraus, alle Bürger zusammenzutrommeln und Eimerketten zu bilden. Der Löscherfolg durch diese Maßnahmen war oft genug gering, aber es war eine Tätigkeit, die noch jeder ausführen konnte.

Die Turner hatten nun erkannt, daß mit der fortschreitenden Mechanisierung im Umgang mit den Löschmaschinen ausgebildete und starke Männer notwendig waren. Wer schon einmal probeweise eine Handspritze aus dem 19. Jahrhundert bedient hat, weiß, welche Knochenarbeit das ist. Die wichtigsten Voraussetzungen damals, körperliche Kraft und Ausdauer, Schwindelfreiheit, physikalisches Verständnis, Kameradschaftsgeist, Zusammenhalt und nicht zuletzt auch einen gewissen Mut zum Risiko fanden die Turner bei sich. Diesen Beitrag weiterlesen »

Weil sie ihrem bettlägerigen Mann Licht bringen wollte, entfachte die alte, körperlich und geistig ermattete Schreinersfrau Rosina Becher durch unvorsichtigen Umgang mit der Kerze am 7. März 1808 ein Feuer, „woraus beinahe das gröste Unglük für sie und die ganze Gemeind hätte entstehen können“, wie es in einem Schreiben des Bächinger Amtmanns heißt. Die Ortsherrschaft forderte daraufhin die in Haunsheim dienende Tochter der alten Leutchen nach Hause, um für sie zu sorgen und weitere Gefahren zu verhindern.

Tatsächlich war neben Krieg Feuer das Schlimmste, was früher einem Ort passieren konnte. Wie dieser Fall zeigt, konnte die Unachtsamkeit eines Einzelnen lebensbedrohlich für die ganze Gemeinschaft werden. Daher hatten Gemeinde und Herrschaft gemeinsam dem Brandschutz Vorsorge zu tragen, zumal es keine organisierte Feuerwehr im heutigen Sinne gab. So versuchte die Herrschaft schon sehr früh durch gezielte Bestimmungen der Feuergefahr vorzubeugen. Den ersten Hinweis auf eine Brandschutzbestimmung in Bächingen finden wir in einer Gemeindeordnung Bernhard von Westernachs, des Bauherrn des Schlosses, aus der Zeit um 1544. Er ordnete bei Strafe von einem Gulden an, dass „ein jetweder eine Latern unnd ein Schaff Wasser bey seinem Hauß haben“ solle, und zwar besonders in der trockenen Sommerszeit. Wenig später ließ sein Sohn Eitelhans von Westernach eine weitere Bestimmung in die Gemeindeordnung einfügen:

„Ittem [= ebenso] es soll auch ein Jeder seine Feuerstatten [Feuerstätte], es sey bey dem khehel offen [Kachelofen], herdt oder bahoffen [Backofen], sauber haltten, d[a]s khein schad darauß erfolg; wirtt aber sollihes ubertretten, so soll er in der Herschafft straff [Strafe] stehen.“

Für die Herrschaft war Feuerschutz umso wichtiger, als die Häuser, in denen die Bächinger lebten, Eigentum der Herrschaft waren und ihnen als Lehen, das heißt gegen jährliche Abgaben lediglich zur Nutznießung überlassen wurden. Brannte wegen Leichtsinn eines Bewohners ein Haus ab, blieb in der Regel die Herrschaft auf den Kosten sitzen. Wenn man bedenkt, dass es Ende des 16. Jahrhunderts neben Schloss und Kirche nur ein weiteres aus Stein gebautes Haus in Bächingen gab und 1813 von den insgesamt 149 Gebäuden in Bächingen noch 50 mit Stroh gedeckt waren, wird man sich der damaligen Bedeutung von Brandschutz erst richtig bewusst. Während jeder Gemeindebürger im Brandfall zum Löschen verpflichtet war, oblag der Herrschaft die Aufstellung eines Notfallplans. 1728 taten sich Bächingen, Sontheim, Brenz und Bergenweiler zusammen und schafften eine gemeinsame Feuerspritze an, 1802 schenkte Herzogin Franziska von Württemberg Bächingen eine eigene. Drei Bächinger Bauern hatten die Pflicht, im Brandfall ihre Pferde zum Ziehen der Spritze zur Verfügung zu stellen, wobei derjenige, der als erstes mit vier Pferden bereit stand, mit zwei Gulden aus der Gemeindekasse belohnt wurde. Anstatt des Schaffs Wasser, das Bernhard von Westernach vorschrieb, hatten im 18. Jahrhundert einige Haushalte lederne Löscheimer, wie sie noch im Heimatmuseum auf Schloss Brenz zu sehen sind. Eine Feuerwehr, wie wir sie heute kennen, entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts.

Verfasser
Johannes Moosdiele: Was tun, wenn’s brennt? Vom Brandschutz in Bächingen zu Zeiten ohne Feuerwehr, in: Gemeindeblatt Bächingen, 46. Jg. (2012), Nr. 36, S. 14.

Zur Geschichte der Feuerwehr Bächingen.