Der alte Handfeuermelder am RathausIm Zuge des aktuellen Rathausumbaus wurde der letzte verbliebene Handfeuermelder abgebaut. Es gibt nun in Bächingen keine Möglichkeit mehr, Sirenen per öffentlichem Druckknopfmelder auszulösen. Um diesen Schritt verstehen zu können, blicken wir in die Technikgeschichte der Alarmierung zurück.

Zum Zeitpunkt des Einbaus der Sirene Anfang der sechziger Jahre wurde diese nur über die Handauslösung in Funktion gesetzt. Man entdeckte ein Feuer im Ortsgebiet, drückte den Knopf und die elektromechanische Sirenensteuerung schaltete den Elektromotor der Sirene in vorbestimmten Intervallen ein und aus. Die Feuerwehrleute in Hörweite nahmen den Alarm wahr und eilten ins Feuerwehrhaus, wo der Mitteiler seine Feuermeldung mündlich an sie weitergab.

Ab der Mitte der siebziger Jahre verbreitete sich in den Landkreisen die Funkalarmierung, d.h. Funkempfänger an den Sirenensteuerungen empfangen einen ausgesendeten Alarm und lösen die Sirenenalarmierung aus. Diese Funkalarmierung erfolgte im ländlichen Bayern über Jahrzehnte durch die örtlichen Polizeidirektionen, bei denen ein telefonischer Notruf einging. Die Feuerwehren erfuhren dann über Funk den Grund des Alarms. Parallel dazu gab es weiterhin die Möglichkeit, die örtliche Sirene über den vorhandenen Feuermelder auszulösen, wobei diese Art der Auslösung der Polizeidirektion als alarmierender Stelle natürlich nicht bekannt wurde. In Bächingen kamen in den Jahren von 1980 – 1995 zwei weitere Sirenen hinzu, eine auf dem Schulhaus und eine weitere in der Westendstraße (Karte mit Sirenen). Die Sirene an der Schule hatte ebenfalls einen Handfeuermelder; dieser wurde aber im Zuge der Schulrenovierung bereits abgebaut. Das Problem bei mehreren Sirenen im Ortsgebiet ist, daß der Druck auf den Handfeuermelder nur die eine daran angeschlossene Sirene in Betrieb setzt. Somit besteht bei der Handauslösung eine gewisse „Beschallungslücke“.

Ab der Einrichtung der Integrierten Leitstellen in Bayern, bei uns seit Herbst 2008, ist die Leitstelle in Augsburg die einzige alarmierende Stelle für Feuerwehr und Rettungsdienst in ihrem Zuständigkeitsbereich. Sie nimmt die telefonischen Notrufe entgegen, ordnet die angemessene Menge an Personal und Material zu und alarmiert die entsprechenden Organisationen per Funk. Viele Feuerwehren, auch wir in Bächingen, betreiben ein Zusatzalarmsystem, das einen Funkalarm empfängt und auf den Mobiltelefonen der Feuerwehrleute anruft. So werden auch diejenigen erreicht, die sich nicht in Hörweite befinden, was mittlerweile auf die meisten Feuerwehrleute in Bächingen zutrifft.
Drückt man nun einen Handfeuermelder, läuft zwar diese eine Sirene, aber es findet keine Benachrichtigung der Leitstelle statt und das Zusatzalarmsystem tritt mangels Funkauslösung ebenfalls nicht in Aktion. Befinden sich also keine Feuerwehrleute im Hörbereich der einen Sirene, wird nichts weiter geschehen.

Sie haben es erkannt, der Knackpunkt ist, daß der Mitteiler eine wirksame Alarmierung erwartet, wenn er den Knopf drückt. Das ist tatsächlich aber nicht der Fall, denn die Reichweite einer Sirenenhandauslösung ist, wie wir eben erfahren haben, nur gering. Fassen wir zusammen:

  • Der Druckknopfmelder wirkt nur auf die eine angeschlossene Sirene.
  • Es erfolgt kein Funkalarm, weshalb weder die weiteren Sirenen im Ortsgebiet noch die Zusatzalarmierung der Feuerwehr ausgelöst werden.
  • Die alarmierende Stelle (die Integrierte Leitstelle Augsburg) erfährt nichts von der Alarmierung und kann somit auch nicht tätig werden.

Um Hilfe durch Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei zu erhalten, muß man somit telefonieren. Meistens wird das heute per Mobiltelefon geschehen. Außerdem hat die Telekom am Bächinger Rathaus nach dem Abbau des Telefonhäuschens ein Notruftelefon installiert, das genau diesem Zweck, der Bereitstellung wenigstens einer öffentlich zugänglichen Notrufeinrichtung im Ort, dient.

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